WAS IST EIN TRAUMA?
Ein Psychotrauma ist eine seelische Verletzung, die nach einem bedrohlichen Ereignis bestehen bleibt und belastende Folgen nach sich zieht. Die Ereignisse selbst können sehr unterschiedlich sein. Sie beinhalten allerdings bestimmte Erlebnisqualitäten: Bedrohung, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Überflutung. Manchmal handelt es sich um ein einmaliges Erlebnis. Viele Menschen erleben wiederholte Traumatisierungen, oft bereits in der Kindheit. Erfahrungen von Gewalt oder Vernachlässigung über einen längeren Zeitraum hinterlassen häufig vielfältige und komplexe Folgen in unserer Persönlichkeitsentwicklung und in unserer Art, Beziehungen zu leben. Entwicklungstraumata können aber auch leise, manchmal unscheinbare Verletzungen sein, die dennoch tiefgreifende Spuren hinterlassen. Es kommt zu einer schmerzhaften Abkoppelung vom Selbst, wenn zentrale Bedürfnisse nach Sicherheit, Wertschätzung und Verbundenheit nicht erfüllt werden.
In einer akuten Gefahrensituation laufen im Organismus automatische Schutzreaktionen ab, die zutiefst sinnvoll sind. Es kommt zu Veränderungen der Wahrnehmung, der Gedächtnisleistung und der Denkfähigkeit sowie zu körperlichen Reaktionen im Nervensystem. Was während der Bedrohung notwendigen Schutz darstellt, kann langfristig belastende und einschränkende Folgen nach sich ziehen. Solche Traumafolgen können sich in Gefühlen von Wertlosigkeit, Scham und Entfremdung zeigen. Der Organismus kann das Erlebte nicht in die Vergangenheit einordnen, die Gefahr fühlt sich immer gegenwärtig an. Unser Nervensystem bleibt in ständiger Alarmbereitschaft, was vielfältige gesundheitliche Folgen haben kann:
Unruhe, Anspannung
verminderte Konzentrations- und Merkfähigkeit
Angst- und Panikzustände
Depressionen
Albträume, Flashbacks
Psychosomatische Symptome (Spannungs- und Schmerzzustände, Autoimmunerkrankungen…)
Dissoziationen (Gefühl, nicht ganz da zu sein, sich betäubt fühlen)
erhöhte Reizbarkeit
Schwierigkeiten, den eigenen Körper (gefahrlos) zu spüren
eingeschränkte Beziehungsfähigkeit
Suchtverhalten
SCHRITTWEISE INTEGRATION IN DER TRAUMATHERAPIE
Zu Beginn einer Traumatherapie steht immer ein gegenseitiges Kennenlernen. Erst wenn Vertrauen möglich ist, können die weiteren Schritte gelingen. Unsere gemeinsame Arbeit gilt dann Ihrer psychischen Stabilität. Wir erkunden und erweitern Ihre Ressourcen, denn diese bilden ein wichtiges Gegengewicht zu den belastenden Erinnerungen. Wir erarbeiten verschiedene Möglichkeiten, die Ihnen helfen, Ihren Symptomen entgegenzuwirken oder sie zu lindern. Dies kann mit Hilfe von Atem- und Körperübungen, einfachen rhythmischen oder stimmlichen Übungen oder stärkenden inneren Bildern geschehen. Ziel ist es, sich selbst zu spüren und starke Gefühle oder Stresszustände selbstbestimmt regulieren zu können.
Wenn eine ausreichende psychische Stabilität in Ihnen und Ihrem Alltag spürbar ist und eine Traumakonfrontation sinnvoll erscheint, können wir mit Hilfe einer traumaspezifischen Technik (Screentechnik nach dem KReST-Modell) traumatische Erinnerungen bearbeiten. Fragmentierte Erinnerungsstücke werden dabei sanft miteinander verbunden. Der Organismus kann lernen, dass das Erlebte vorbei ist.
Ziel ist die Linderung von intrusiven Symptomen und die Wiedererlangung von selbstbestimmter Kontrolle und Sicherheit. So können Lebensqualität, Genussfähigkeit, Zuversicht und innere Lebendigkeit auftauchen.
Wenn Sie spezifisches Interesse an traumasensitivem Yoga haben, erhalten Sie hier mehr Informationen darüber.